Über die Wirkung von Kunstdünger – NNN 28.01.2019 Anika Naumann

NNN 28.01.2019 Anika Naumann

Pirat mit Kunstdünger in der Hose
„Über die Wirkung von Kunstdünger“ feiert Premiere auf der Bühne 602.

Walter Wildemuth und seine Frau Renate sehen sich einer neuen Herausforderung gegenüber: Er ist nun Frührentner und ab sofort Zuhause, gemeinsam mit seiner Ehefrau. Damit stellt er das Leben von Renate gehörig auf den Kopf, die sich nicht daran gewöhnen möchte, ihren Walter ständig um sich zu haben.
Das Theaterstück „Über die Wirkung von Kunstdünger oder eine Komödie über die Chemie der Liebe“ von Fred Apke feierte am Freitag im Zuge des SpielLust Festivals Premiere. Vor ausverkauftem Haus machen sich Walter und Renate gegenseitig das Leben zur Hölle, sehr zum Vergnügen der Zuschauer. So viel gelacht wird selten im Theater, selbst bei Komödien ist das nicht selbstverständlich.
Unter der Regie von Fabian Ranglack entspinnen sich immer neue herrlich bissige Dialoge im Schlafzimmer der Eheleute. Walter wollte schon als Kind immer Pirat werden und erkennt nun, dass er sich diesen Wunsch erfüllt hat. Er ist Unternehmer geworden. Nachdem er nun seinen Beruf an den Nagel gehängt hat, möchte er seine verwelkte Beziehung, auch mittels Chemie (dem Kunstdünger), wieder zum Leben erwecken. Er erklärt seiner Frau, dass er im Gegensatz zum Nachbarn nichts neues Junges brauche, da er das Alte noch für gut befindet. Als die entnervte Renate erkennt, wo die neue Motivation ihres Mannes herrührt, nennt sie ihn spöttisch ihren Piraten mit Kunstdünger in der Hose. Er bedauert daraufhin, noch kein Hörgerät zu tragen, dieses hätte er jetzt abschalten können. Herrlich!
Katja Klemt und Christoph Gottschalch spielen in einem Meer aus Matratzen ihre Eherollen dermaßen überzeugend und bringen die Dialoge gekonnt auf den Punkt, dass kein Auge trocken blieb und sich das Premierenpublikum mit riesengroßem Jubel bedankte. Auch Manfred Schlosser konnte in seiner Rolle als Nachbar und „bester Freund“ glänzen und stellte so einige Erwartungen auf den Kopf.
Manch ein Zuschauer mag Parallelen zum eigenen Eheleben festgestellt haben und dem eigenen Scheitern nun gelassener gegenüberstehen. Das Stück des deutschen Autors Fred Apke schafft es, das Publikum nicht nur zum Lachen zu bringen, sondern auch anzuregen, über das eigene Leben zu reflektieren. Ganz nach dem Motto von Walter Wildemuth: „Es hätte noch schlimmer kommen können, also geht es mir gut!“.
Der Bühne 602 gelingt eine eindrucksvolle und auf jeden Fall bemerkenswerte Premiere.
Weitere Vorstellungen: 08. Februar und 29. März