Über die Wirkung von Kunstdünger – Osteeanzeiger, 30.01.2019 Andreas Golz

Osteeanzeiger, 30.01.2019 Andreas Golz

Über die Wirkung von Kunstdünger

Die Compagnie de Comédie hat mit ihrer ersten Premiere im neuen Jahr am vergangenen Freitag in der restlos ausverkauften Bühne 602 an Fahrt aufgenommen. Geht es in diesen oder anderen Tempi weiter, braucht sich der Musentempel um sein Renommee als Hort für den exquisiten Kunstgenuss nicht zu sorgen. Das steht fest!
„Über die Wirkung von Kunstdünger“ heißt eine Komödie von Fred Apke, die als deutsche Erstaufführung in Rostock im Bannstrahl der Rampenleuchten ans Licht gelangte. Zugegeben, der Titel ist so sperrig wie ein Blumenkübel und die Botschaft so kryptisch wie der Geruch eines Buchsbaumes. Aber wenn es denn hilft…
Walter ist Frührentner und hoppelt mit einem Fitnessprogramm dagegen an, obwohl sein verschleißender Körper opponiert. Für etwaige zwischenmenschliche Unternehmungen bevorratet er sich mit potenzierenden Pillen. Walter nennt sie Kunstdünger. Renate muss für ihre persönliche Frischzellenkur auch schon ein paar Minuten mehr veranschlagen. Sie hat aber dafür einen Liebhaber. Jedenfalls sind Walter und Renate in ihrer Ehe längst vom gemeinsamen Weg abgewichen. Als sie wieder aneinandergeraten ist die Karambolage vorgezeichnet.
Erste Szene, roter Faden: Walter hechelt sich im Sport das Alter ab. Tempo, Anstrengung inklusive. Auf der Bühne ein extravagantes Matratzenlager. Mittendrin zwei Mimen, die in diesem Labyrinth hin und her wuseln. Regisseur Fabian Ranglack hat diese Schwerstarbeit den Schauspielern Katja Klemt und Christoph Gottschalch aufgenackt. Allein dafür gebührt den Künstlern Anerkennung. Erst recht für ein mimisches Spektakel voller Akkuratesse.
Spätestens seit seinem brillanten Auftritt in „Sexy Laundry“ verortet man dem Duo Klemt & Gottschalch eine harmonische Chemie untereinander. Anders sind furiose Dialoge, blitzschnelle Wandlungen und neu geschaffene Szenen kaum zu bewerkstelligen. Die Klemt (diese Augen!) ist ein Juwel, längst ein markantes Gesicht in der bunten Compagnie-Geschichte. Als sie den möglichen Einbruch in ein Eigenheim nachstellt, läuft es synchron bei Walter und Publikum kalt den Rücken runter. Gottschalch muss ein Jünger von Louis de Funès sein. Er hat nicht nur dieselbe Frisur, nein, er guckt auch immer so überrascht wie der kleine Franzose. Gottschalch gibt sich für ein Hunde-Gebell (eine Dorfköter-Version) her, dass zum Spontan-Beifall der Zuschauer führt.
Und dann naht er: Rolf. Walters Freund und Nebenbuhler. Der große Manfred Schlosser im purpurroten Jogging-Anzug. Ein Grand Seigneur der Rostocker Theaterlandschaft mit einem subtilen Vielminutenauftritt. Er leitet das Finale eines Dreiecks-Geflechts ein, in dem der betrogene Walter seine Gattin (Klemt mit lässiger Miene und Kippe im Mundwinkel) und den barmenden Rolf („Es war ein Freundschaftsdienst“) per Pistole ins Jenseits schießen will.
Es kommt nicht dazu. Nächste Vorstellung: Freitag, 8. Februar, 20 Uhr.