Till Eulenspiegel – Herr Geske OZ 11.06.2019

Till Eulenspiegel hält im Klostergarten Menschen den Spiegel vor
Compagnie de Comedie eröffnet Sommersaison in Rostock mit Episoden aus dem 500 Jahre alten Stück von Hans Sachs.

Ein lauschiger Sommerabend, eine Bühne unter freiem Himmel und eine amüsante Theateraufführung – so lässt sich die Premiere von ,,Till Eulenspiegel’’ am Freitag im Garten des Klosters zum Heiligen Kreuz zusammenfassen. Unter diesem Titel bearbeitete Regisseurin Sonja Hilberger vier Fastnachtsspiele des Nürnberger Poeten Hans Sachs (1494-1576). Heraus kam eine gut zweistündige Aufführung, die das Publikum im ausverkauften Freilichttheater am Ende mit stehendem Applaus und Bravorufen feierte.
Den Beweis, dass Sachs fast 500 Jahre nach seinen Erdentagen bestens geeignet ist, die Zuhörerschaft zu amüsieren und zu rühren, traten Lydia Wilke, Eugen Krößner, Marcus Möller und Peer Roggendorf von der Compagnie de Comedie mit Verve an. Die Fastnachtsstücke des alten Meisters, in denen sich hintergründiger Humor, lausbübischer Schalk, tiefe Volksweisheit und heiter-derbe Sprache verbinden, gaben dem Schauspieler-Quartett die Vorlage für fast ungezügelte Spielfreude. So wurde die Aufführung, zauberhaft ausgestattet von Birgit Schöne, zu einer sinnlichen Geschichte, prall gefüllt mit Lebensfreude.
Till Eulenspiegel, der durch die Lande streifende Schalk, der sich durch Witz, Schlagfertigkeit und Geisteskraft auszeichnet und den Menschen den Spiegel vorhält, ist die zentrale Gestalt der vier Stücke. Wenngleich nicht in allen präsent. Eugen Krößner verkörpert den Narren in all seinen Facetten: Mal laut, mal leise, nachdenklich, schlau und gerissen, stellt er die Unzulänglichkeiten seiner Mitmenschen bloß. Ein Kabinettsstückchen, wie es Eulenspiegel schafft, einem eitlen und dummen Bäuerlein das seiner Frau Geld stahl, um sich grünes Tuch auf dem Markt zu kaufen, dieses abzugaunern. Das gelingt Till mithilfe von zwei weiteren Schlitzohren. Gemeinsam machen sie den Bauern glauben, dass der Stoff gar nicht grün, sondern blau sei. Als dieser endlich begreift, dass er übers Ohr gehauen wurde, erhält er statt seines Tuches eine Tracht Prügel.
Ebenso urkomisch wird erzählt, wie Till einer von ihrem Gatten vernachlässigten Wirtin (Lydia Wilke) verspricht, ihren verschmutzten Pelz so zu säubern, dass er strahlend weiß werde. Auch die Nachbarinnen (Marcus Möller und Peer Roggendorf), die von dieser Kunst des Narren hören, bringen ihm ihre Felle. Allesamt in der Hoffnung, er könne auch ihre alten Leiber wieder verjüngen. Von Eulenspiegel in den Waschtrog geworfen, sind die Pelze verdorben und er spurlos verschwunden.
Besonders vergnüglich wird das Spiel noch einmal zum Abschluss des Premierenabends. Till soll hängen, weil er Bauern bestahl. Die können sich nicht einigen, wann er an den Galgen soll. Schließlich muss ja erst noch die Ernte eingebracht werden. Da aber jeder Tag, da der Dieb hinter Gittern sitzt, Geld kostet, haben die Dörfler die Idee, ihn auf Ehrenwort für Wochen laufen zu lassen. Wenn er versichere, dass er sich auf den Tag wieder einfinde, um sich hängen zu lassen. Wie das wohl ausgeht? Das begeisterte Publikum erfuhr es bei der Premiere.