1000 Jahre Rostock in 100 Minuten

1000 Rostock Andreas Golz 1

Ostsee Anzeiger 06.06.2018

 

Im Stakkato durch die Rostocker Historie

Eine Koproduktion der Compagnie de Comédie und der Geschichtswerkstatt Rostock führte am vorigen Sonntag zu einer spektakulären Premiere: 1000 Jahre Rostock in 100 Minuten – ein Abriss wie ein Lauffeuer!

So richtig klar ist ja nicht, ob vor den 800 Jahren Rostock nicht schon irgendeiner sein Stöcklein in die Mecklenburger Krume gesteckt und dies pathetisch in die Luft gerufen hat. Fakt ist jedoch, dass die Hansestadt jahrhundertelang unter der Kuratel windiger Landesfürsten und deren Lakaien ächzte und andererseits mit steigender Reputation stolz aus dem hohlen Kreuz kam. Reichhaltige Geschichte, von den Slawen über die Hanse bis hin zur DDR-Zeit, Namen wie Borwin, Blücher und Leopold. Gegen dieses Konvolut kann selbst der größte Brockhaus mit seiner Schwarten-Armada nicht mithalten.

Der Historiker Thomas Werner vom Kulturamt hatte die Idee, die freien Kulturträger Rostocks mit eigenen Produktionen am 800-jährigen Stadtjubiläum teilhaben zu lassen. Die Compagnie präsentierte pünktlich zur Bürgerausstellung im Kröpeliner Tor (geöffnet bis Oktober) ihre Version der Geschichtsaufarbeitung. Ein historischer Abriss in etwas mehr als anderthalb Stunden. Wie sich das für ein komödiantisch infiziertes und mit dem leichten Hang zum Wahnwitz gestreiftes Völkchen gehört zelebrierte die Compagnie ein turbulentes Spektakel auf die Bühne. Das Entree (Marcus Möller wollte mit Bello und Beitel schon mal das Kröpeliner Tor abtragen) war schon verheißungsvoll, die Fortsetzung im rappelvollen Klostergarten geriet zu einem Stakkato an Einfällen, Humor, kleinen schauspielerischen Brillanten (Manfred Gorr als Blücher etwa oder Katja Klemt als Amazone der Gerechten) und einer Hatz, die die hundert Minuten im Fluge vergehen ließen. Voila! Ganze Arbeit der Regisseure Christoph Gottschalch und Sonja Hilberger. Die Musik von Matthias Kaye war wie stets eine einzige Offenbarung. Und nicht zuletzt ein herrliches Vergnügen mit den Schauspielern Katja Klemt, Marcus Möller, Peer Roggendorf und Manfred Gorr.

Compagnie-Prinzipalin Martina Witte verriet, dass ein Dutzend Aufführungen bis Ende August geplant seien. Die nächste lauert schon: 9. Juni ab 15 Uhr. Nichts wie hin!                                             Andreas Golz