Premiere „Oma und Ich“

Oma und Ich
Mit tausend Liedern um die Welt [Backpflaumenballade 3]
Regie: Fabian Ranglack /// Musikalische Leitung: Philipp Krätzer
Mit Gabriele Schwabe, Katja Klemt, Georg Haufler und Marcus Möller
Musikal. Begleitung/ Pianist: Philipp Krätzer; drum., git., voc. Hannes Brenke

Rezension
Ostsee-Zeitung 21.09.2020

Oma und ich – in einem großen Abend
Rostock.
Die Compagnie de Comédie startete am Freitagabend in ihre 30-jährige Jubiläumssaison mit einer kurzweiligen Melange aus Komödie und Tragik, Impulsivität und Innehalten, Wort und Gesang: „Oma und ich – Backpflaumenballade, Teil 3“. Die Fortsetzung der Stücke, die 2013 und 2015 erfolgreich in der Bühne 602 zur Aufführung kamen.
Die Geschichte erzählt von Oma Berta (Gabriele Schwabe), die nun endgültig aufs Altenteil und demzufolge ins Heim abgeschoben werden soll. Doch die vitale Dame sieht sich längst nicht an der Endhaltestelle ihres Lebens. Enkel Felix (Marcus Möller), selbst noch etwas irrlichternd in den Koordinaten seines Daseins, ist von Omas Enthusiasmus ergriffen und reist mit ihr schnurstracks nach Spanien. Sehr zum Unwillen seiner Mutter (Katja Klemt), die ziemlich aufgescheucht auf die abenteuerliche Flucht reagiert. Statt Fremdbestimmtheit zu erdulden genießt Berta in vollen Zügen. Auch die Bekanntschaft mit Clown Luiz (Georg Haufler). Die Botschaft: Berta strickt sich ihr Schicksal immer noch selbst.
Fabian Ranglack (ein Früherer aus der Compagnie-Schmiede) hat dieses Stück inszeniert, der technischen Ausstattung Dirk Weinerts und der Choreografie Daria Hasses vertraut und bediente sich eines Sechserpacks, das den Abend zu einem unvergesslichen machte: Lanciert von den brillierenden Musikern Philipp Krätzer und Hannes Brenke trieb es den überragenden Möller zur beeindruckenden musikalischen Performance. Ihm stand die unwiderstehliche Klemt, die seit Jahr und Tag künstlerisch auf hohem Ross reitet, nicht nach. Und Haufler, der Spezi für die kurzen aber prägnanten Momente zwischendurch, bastelt an seiner Legende.
Legende? Die Grande Dame Schwabe, 2012 zum Ehrenmitglied des Volkstheaters ernannt, feierte nach fünfjähriger Abstinenz eine kolossale Renaissance auf der Bühne 602. Emotional ging die kleine Frau in die Vollen: Nahm mit, zog hoch und runter, ließ ihrer Spiel- und Sangeslust freien Lauf. Die Offenbarung einer großartigen Künstlerin. Applaus, Vorhang. Mehr davon! Andreas Golz