Katharina oder William Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“

Ostsee Anzeiger 27.06.2020
Andreas Golz

Katharina oder William Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“

Onkel Willi wusste alles!
In diesen Corona geschwängerten Zeiten, in denen Existenzen, Lebensleistungen, ja Schicksale vollends in die Binsen zu gehen drohen bäumt sich die Compagnie de Comédie als eine Allianz der ungezähmten Widerspenstigen dagegen auf und opponiert mit einer skurrilen Fassung der Shakespeare – Komödie „Der Widerspenstigen Zähmung“.
Ein Comedy-Konstrukt von Peter Dehler, mit Komik und tollen Liedern (ach, könnte man sich bloß die Texte merken!), das der unwiderstehliche Regisseur Manfred Gorr auf die Bühne des Klostergartens zum Heiligen Kreuz stellte. Mit den gebotenen Bezügen zu den abstrusen Auswüchsen von Corona. Komik abstandsweise.
Drei Mitarbeiter der Wach-und Schließgesellschaft „Close-up“ beschützen das Tourneetheater SPASS MUSS SEIN, das mit seinem Shakespeare-Stück durch die Lande juckelt. In Rostock kommt die Maskeraden-Brigade nicht an, weil kurzfristig der infizierte Tourneebus quarantänemäßig vor den Toren der Stadt hält.
Tja, und was nun? Die drei Wachhabenden, insgeheim theaterinfiziert, beschließen ihrerseits, den Shakespeare-Schinken (durchgegart 1592) auf die Rampe zu hieven. Und statt ursprünglich 15 bestallter Akteure im Rollenspiel kommen die drei mit sich selbst aus. Als Trio infernale. „Onkel Willi wusste alles“, plärren sie als Fanfare in ihr Entree, das sich selbstredend dramatisch von der Dramaturgie Shakespeares abhebt. So erscheint dereinst in Padua die Heirat Hochzeit Biancas und Katharinas, der Töchter des gockelhaften Kaufmanns Batista, in einem ganz neuen Licht. Die ganze Chose, eingebettet in einer Vielzahl pfiffiger Ideen in Choreografie (Galina Weber-Poukhlovski) und Ausstattung.
Die bezaubernde Larissa Sophia Farr und die beiden Unermüdlichkeitsarbeiter Peer Roggendorf und Marcus Möller hat Manfred Gorr – wie stets – zur action- und temporeichen Schauspielkunst getrieben. Außer einen: Georg Haufler. Der Altmeister, nur in Sentenzen präsent, brilliert in diesen kurzen Momenten.
Fazit: Ein Sommerspaß, wie er im Spielplan steht. Noch bis Ende August auf der Bühne im Klostergarten zum Heiligen Kreuz.