Cyrano de Bergerac

Für die Liebe den richtigen Riecher

Reiner Heises sechste Inszenierung für die Compagnie de Comédie war zugleich seine erste im Klostergarten. Aufgeregt schritt der Mann vor der Premiere am Freitag durch die Idylle…Cyrano de Bergerac! Die romantische Komödie von Edmond Rostand hatte es Heise angetan. Für die Liebe hatte er den richtigen Riecher.
Mutter Natur pflanzte in Cyranos Physiognomie einen Riechkolben von opulenter Größe. Die Spötter ziehen in Heerscharen über Cyrano her und den ficht das an und er das aus, denn im Kampf um sein Selbstwertgefühl schwingt er den Degen. Unerschrocken und mutig. Doch wenn es um die Liebe geht, schnäuzt sich Cyrano verlegen die Nase. Roxane, seine Cousine, wirbelt in Cyranos Synapsen. Aber sie ist Christian verfallen, einem stattlichen Mann, wohlan, jedoch mit mächtigem Durchzug in der Rübe. Sie hätte seine poesievolle Liebesbekundung gern schriftlich. Guter Rat ist da teuer, aber nicht fern, denn Cyrano empfiehlt sich als Gastschreiber Christians für lüstern tropfende Schmeicheleien auf Pergament. Roxane schmilzt dahin und nun möchte die Schöne im Mondenschein das geschriebene Wort ihres Liebsten auch im intimen Dialog abgleichen. Da wird es bei Christian aber sofort zappenduster…
Einmal mehr sorgte Bühnenbildner Manfred Gruber für einen stimmigen Hintergrund. Ein bewegliches Gerüst? In jedem furiosen Stück stünde es sperrig im Weg. Hier aber war es wie Zierrat, weil Reiner Heise seinen Mimen die Spielwiese für individuelle Studien gab mit den Intentionen des Augenblicks. Überragend: Johannes Richard Voelkel als Cyrano im Widerstreit zwischen Draufgängertum und Sentiment. In Berit Möllers Roxane verlieben sich noch ganz andere. Marcus Möller (herrlich sein naiv-ratloser Christian, der versucht, sich gegenüber der Angebeteten zu artikulieren!), Peer Roggendorf (mimt erstklassig einen eitlen Gockel) und Compagnie-Urgestein Georg Haufler (den in sich Ruhenden holt niemand mehr aus der Fassung) komplettierten das spielfreudige Ensemble. Für solche Momente der sommerleichten Unterhaltung geht die Compagnie liebend gern in den Klostergarten. Jetzt hat auch Reiner Heise dort seine Spuren hinterlassen! ANDREAS GOLZ
Ostsee-Anzeiger 20.06.2018